Bolivien – Teil 1

Vom Titicacasee nach Cochabamba

13.06. – 01.07.18

volle Distanz: 431.7 km
Maximale Höhe: 4653 m
Minimale Höhe: 1115 m
Gesamtanstieg: 7850 m
Gesamtabstieg: -9042 m
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Am 13.06.18 gegen Mittag hatte ich die Grenze von Peru nach Bolivien passiert.Bolivien empfing mich mit einer üblen Piste bis Puerto Acosta.Erstmal ging es noch bergauf bis auf 4100 m,anschliessend bergab bis nach Puerto Acosta.In Puerto Acosta bin ich erst mal zur Migration getrampelt um mir meinen Einreisestempel zu holen.Das war in zehn Minuten erledigt.Man bekommt ein Visa für 30 Tage das man zwei mal verlängern kann.Das ist ein bischen umständlich,da nur in den grösseren Städten Büros der Migration sind und eine Verlängerung erst fünf Tage vor Ablauf der 30 Tage möglich ist.So musste ich meine Route ein bischen nach der Visa Laufzeit ausrichten.Die Beamten haben mir dann auch noch gleich den Tip gegeben,das ich in einem Laden an der Plaza meine übrigen Soles in Bolivianos wechseln kann.An der Plaza konnte ich dann auch meine übrigen Soles wechseln,und das zu einem anständigen Kurs.Da es erst 15 Uhr war hab ich mich dann auf den Weg nach Escoma gemacht.Auf einer neuen Teerstrasse ging es mit Rückenwind zügig voran.Kurz vor Escoma gab es noch mal einen kräftigen Anstieg zu meistern und mit einbrechen der Dunkelheit war ich am Ziel.In Escoma hab ich dann erst mal nach einer Übernachtungsmöglichkeit gefragt.Die Auswahl war sehr bescheiden.Ich hab mich dann in ein namenloses Alojamento eingemietet.Das Zimmer hatte die Grösse einer Gefängniszelle,es gab keine Dusche und sonderlich sauber war es auch nicht.Für knapp zwei Euro kann man aber auch nicht viel erwarten.Abendessen gab es im Restaurant unter dem Alojamento.Wie gewohnt Hähnchen mit Pommes.Ich hab mich dann noch mit Brötchen,Würstchen,Eiern,Tomaten,Obst und Bier versorgt,somit war der Abend und das Frühstück abgesichert.Geschlafen hab ich in meinem eigenen Schlafsack weil mir die Decken doch etwas zu räudig aussahen.

 

 

Am nächsten Morgen hab ich mir dann erstmal ein Frühstück gebrutzelt.Das Zimmer roch danach wie eine Pommesbude.Um 8:30 saß ich dann wieder im Sattel und bin weiter Richtung La Paz getrampelt.Es ging leicht bergig entlang des Lago Titicaca.Der Rückenwind war immer noch mit mir,und so kam ich auf der gut ausgebauten Strasse ganz zügig voran.Am frühen Nachmittag war ich dann auch schon in Achacachi.die Hostals in der Stadt sahen nicht so einladent aus,also bin ich weitere 20 Kilometer nach Huarina gefahren.Beim raus fahren aus Achacachi hab ich noch Ausschau nach einem Hostal gehalten.Dabei hatte ich meine Augen nicht so richtig auf der Strasse und bin einem Schlagloch ausgewichen und mit dem Vorderrad von der Strassenkante abgerutscht.War ne schöne Asphaltbremsung.Zum Glück hatte ich wegen der Temperaturen lange Hosen und meine Trekkingjacke an,ansonsten hätte ich mir wohl einige Abschürfungen zugezogen.So hatte bloß ein Handschuh und mein linkes Handgelenk was abbekommen.In Huarina hab ich mich dann im einzigen Hostal des Ortes eingemietet.Das Gebäude war noch nicht ganz fertig und hatte keinen Anschluss an das öffentliche Wassernetz.Aber die Besitzerin hatte wenigstens einen Laden im Erdgeschoss.Abends gabs dann Tempo-Linsen und Bier.An diesem Tag hatte ich 96 Kilometer runter gekurbelt,somit waren es nur noch 70 Kilometer bis La Paz.

 

 

Am nächsten Morgen saß ich dann um 9 Uhr wieder im Sattel.Je dichter ich La Paz kam,um so stärker wurde der Verkehr.In El Alto ging es dann schon recht chaotisch zu,und die Luft war voller Abgase.Die Abgase und die dünne Luft auf über 4000 Meter Höhe machten mir richtig zu schaffen.Ich musste ein paar mal anhalten und verschnaufen.Mein Garmin hat mir dann auc noch ein richtiges Ei gelegt.Erst bin ich mitten in einem riesigen Markt gelandet und als ich da durch war stand ich in einer Sackgasse an einer Treppe.Also mit dem Rad die ein paar hundert Stufen die Treppe runter.Auf der Hälfte hab ich mir auch noch einen Platten zugezogen und musste am Hinterrad den Schlauch wechseln.Gegen 16 Uhr war ich dann im Zentrum und musste nur noch ein paar hundert Meter bergauf zum Hostal,,El Carretero,,schieben.Dort hab ich mich dann für die nächsten Tage einquartiert.Ein Einzelzimmer mit eigenem Bad gabs für ca 7 Euro die Nacht.Das Hostal ist eine gute Option in La Paz.Es gibt Wifi,eine einigermaßen ausgestattete Küche und einen Innenhof mit Sofas und Sesseln.Im Zimmer hatte ich einen Tisch und einen Stuhl,so das ich ungestört an meinem Blog arbeiten konnte.Ein kleiner Laden war gleich nebenan und zum Zentrum waren es keine 10 Minuten zu Fuss.

 

Die ersten zwei Tage habe ich dann mit Videos bearbeiten,Blog schreiben,Bier,Rum-Cola trinken und essen verbracht.Zwischendurch bin ich mal zum Supermarkt getrabt,dort gab es all die schönen Sachen die ich seit Juliaca vermisst hatte.Es gab richtigen Käse,Wurst und Vollkornbrot.In der Fussgängerzone gabs sogar eine Dönerbude.Im Innenhof des Hostels konnte Mensch sich auch noch die Spiele der WM anschauen.Ich kam mir vor wie im Paradies.Am dritten Tag bin ich dann zum Radladen getrabt um eine Halterung für meine Actioncam zu erstehen,leider hatten die Jungs sowas nicht da.Aber sie haben mir einen Laden in der Illampu Strasse empfohlen der GoPro Zubehör verkauft.Nach einer Stadtrundfahrt mit der Seilbahn(Sehr geil und billig) bis zum alten Bahnhof bin ich dann in die Illampu Strasse marschiert und habe auch eine Helmhalterung ergattert.Die brauchte ich um ein Video von der Death Road zu machen.Meine Lenkerhalterung samt Oberrohrtasche hatte ja auf dem Schiff von Iquitos nach Yurimaguas Beine bekommen.Die Gegend um die Illampu Strasse ist das Backpackerviertel von La Paz mit Hostals,Bars,Restaurants und Läden.Es werden haufenweise Klamotten sämtlicher Marken zu Spottpreisen verkauft.Davon ist aber nichts Original.Es sind alles Fake Importe aus China.Dort hab ich aber noch ein paar Gaskartuschen ergattern können,so das ich für die nächsten Wochen versorgt war.Am letzten Tag hab ich dann noch ein bischen am Blog gearbeitet und hab im Supermarkt noch mal meine Voräte aufgestockt.La Paz ist schon eine durchgeknallte Stadt aber irgendwie auch liebenswert.Der einzige Nachteil ist die permanente Kälte.Selbst wenn die Sonne scheint gehen die Temperaturen kaum über 20 Grad.Nachts gehen die Temperaturen Richtung Gefrierpunkt und Heizungen sind in den einfachen Unterkünften unbekannt.

 

 

Nach fünf Nächten in La Paz musste ich mich dann am 20.06.18 auf den Weg zum nächsten Highlight meiner Reise,der Death Road machen.Ich hatte auch langsam die Nase voll von der ewigen Kälte und am Ende der Death Road lag Coroico,dort herschten auf 1700 m geradezu sommerliche Temperaturen.Auf dem Weg zur Death Road musste ich allerdings errst mal über den La Cumbre Pass auf 4470 Meter Höhe.Aus La Paz hinaus zu fahren war nicht gerade ein Vergnügen.Die dünne Luft und die Abgase können einen richtig schaffen.Zu allem Übel geht es auch noch recht steil bergauf.Ich hatte einige Mal Schnappatmung und war froh als ich an der Stadtgrenze war und der Verkehr etwas nach ließ.Die Strasse über den La Cumbre ist sehr gut ausgebaut und wenn man erstmal oben ist wird man mit einem wunderschönen Ausblick auf schneebedeckte Berge und einer grandiosen Abfahrt belohnt.Unterwegs gabs in einem Strassenrestaurant noch eine Andenforelle und gegen 16 Uhr hatte ich den Abzweig zur Death Road erreicht.Ich bin dann noch zwei Kilometer runter nach Chuscipata gehoppelt.Dort beginnt der interessante Teil der Death Road.Da hab ich dann mein Zelt aufgestellt.Leider war der Kiosk schon geschlossen,so wurde es ein Bier freier Abend.

 

 

Am nächsten Morgen habe ich es dann ruhig angehen lassen und erst mal gewartet bis die Sonne etwas höher stand.Gegen 9:30 gings dann auf die Death Road,das war zeitig genug um noch alleine auf der Strecke unterwegs zu sein.Ab 11 Uhr sind dann die MTB-Tourgruppen aus La Paz unterwegs und da wäre ich ein Verkehrshinderniss gewesen. 😉 Mit Gepäck musste ich mich bei der Geschwindigkeit etwas zurück halten.Die Death Road ist in einem guten Zustand und bietet spektakuläre Aussichten in die Yungas.Ich habe den ganzen Spass mit der Helmkamera gefilmt und auch noch einige Fotostops eingelegt.Gegen 12 Uhr war ich dann am Endpunkt in Yolosa.Dort gab es dann erst mal ein Mittagessen.Von dort hab ich mich auf den Weg nach Coroico gemacht.Das hieß von 1200 m auf 1700 m klettern.Das waren knapp 8 Kilometer Kopfsteinpflaster,immer schön bergauf.Ich habe fast die ganze Strecke geschoben.Wenigstens gab es unterwegs ein paar Fruchtstände an denen ich mich versorgen konnte.Gegen 15:30 war ich dann in Coroico und habe im Hostal Bicentenerio eingecheckt.Ein kleines Einzelzimmer mit eigenem Bad gabs für 5 Euro und der Blick von der Dachterrasse auf die Yungas war gratis.Eine kleine Küche war auch vorhanden,so konnte ich mir mein Essen selber kochen.Dort war ich dann gleich mal für 4 Nächte und habe mich mit dem bearbeiten der Videos,Blog schreiben und auf der Dachterrasse in der Sonne sitzen beschäftigt.

 

 

Nach drei Tagen Knochen durchwärmen habe ich mich dann am 25.06.18 Richtung Cochabamba aufgemacht.Das hieß mal wieder Sand,Schotter,Staub und reichlich Höhenmeter.An diesem Tag hab ich dann 55 km bis Puente Villa geschafft.Dort hab ich dann eingekauft und mein Zelt am Fluss aufgestellt.Plätze zum campen sind auf der Route nicht einfach zu finden.Am nächsten Tag ging es dann um 8:00 weiter.Der Zustand der Strasse war sehr bescheiden und es gab eine Menge Anstiege mit mehr als 10 Prozent.Von den 55 Kilometern bis Irupana habe ich bestimmt 15 Kilometer geschoben.Das schlimmste aber war der Verkehr,alle fünf Minuten war ich in einer Staubwolke verschwunden.Nicht gerade sehr angenehm.Als ich nach elf Stunden endlich in Irupana ankam stand mein Entschluss fest die Sache etwas abzukürzen.Ich bin ja schliesslich unterwegs um Rad zu fahren und nicht um Rad zu schieben.Auf acht weitere Tage auf so einer Piste hatte ich einfach keine Lust.In Irupana hatte ich dann ziemlich schnell ein preiswertes Hotel gefunden und Abendessen gab es in einem kleinen Restaurant um die Ecke.Nach ein paar Feierabendbier lag ich um 21 Uhr in der Koje.Ich war völlig erledigt.

 

 

Der nächste Morgen brachta dann erstmal strömenden Regen.Eigentlich hatte ich vor mit dem Collectivo bis nach zu Sita fahren und von dort nach Quime radeln.Von Quime hätte ich dann auf Teerstrasse bis nach Cochabamba fahren können.Bei einem Schwätzchen mit dem Hotelbetreiber stellte sich heraus das keine Collectivos zwischen Irupana und Sita verkehren und ein Taxi wäre ziemlich teuer geworden.Also hab ich kurz mal umgeplant.Um 9 Uhr ging ein Collectivo nach La Paz und von dort sollte es dann per Nachtbus nach Cochabamba weiter gehen.Das Fahrrad kam aufs Dach vom Kleinbus und ab ging die wilde Fahrt nach La Paz.Man glaubt garnicht wie viele Leute in so einen Kleinbus passen.Unterwegs gabs noch eine Umleitung von der Ruta 25.Sehr lustig wenn ein Kleinbus in den Kehren zurücksetzen muss um die Kurve zu kriegen.Einmal mussten alle Passagiere aussteigen damit die Schüssel einen Anstieg schafft.Um 12:30 war ich dann in La Paz und bin zum Busterminal geradelt.Da ich noch viel Zeit hatte,war ich unterwegs zwei mal essen.Am Busterminal habe ich mir dann ein Ticket nach Cochabamba bei Trans Copacobana gekauft.Kostenpunkt ca 10 Euro.Für mein Fahrrad und das Gepäck musste ich dann noch mal 5 Euro abdrücken.Trotzdem ein guter Preis für acht Stunden im Schlafbus.Die Schlafbusse haben nur 3 Sitze pro Reihe,die Sitze sind richtig breit und lassen sich 170 Grad neigen.Die Zeit bis zur Abfahrt hab ich dann mit Essen und Bier trinken vertrödelt.Der Busfahre hat leicht geflucht als er mein Rad gesehen hat,aber nachdem ich das Vorderrad raus genommen und den Sattel runter gestellt hatte passte es locker in den Gepäckraum,und er war besänftigt.Um 22 Uhr war dann Abfahrt und nach einem kurzem Zwischenstop in El Alto wurde es ruhig im Bus und ich konnte schön schlafen.Gegen 6:30 Uhr war der Bus dann in Cochabamba.Unter den neugierigen Blicken der umstehenden Leute und Fragen nach dem woher und wohin hab ich dann mein Rad wieder zusammen gebaut.

 

 

Vom Busterminal bin ich erst mal zum Bahnhof geradelt um zu checken ob ein Schienenbus nach Aquile verkehrt.Der Bahnhof ist leider stillgelegt und der Schienenbusverkehr eingestellt,Anschliessend bin ich dann zum Hostal Versalles geradelt und hab mich dort für 4 Nächte eingemietet.Ein Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad gabs für 9 Euro.Es war sauber und im Innenhof gab es Sitzgruppen zum abhängen.Leider gab es keine Küche und das Wlan war ziemlich lausig.Nachmittags bin ich dann mal ins Zentrum und zum Supermarkt getrabt.Cochabamba ist eine entspannte Stadt mit einem frühlingshaften Klima.Da lässt es sich ein paar Tage aushalten.Die Tage dort hab ich mit Videos bearbeiten,relaxen,essen und einem Seilbahnausflug zur Jesusstatue oberhalb von Cochabamba verbracht.Am 02.07.18 ging es dann weiter Richtung Sucre,aber davon schreibe ich dann im nächsten Beitrag.

Bis bald Jörg

 

2 comments on Bolivien – Teil 1

  1. Hallo Jörg!
    Ich hoffe, deine Bandscheiben sind nach dieser Abfahrt noch in Ordnung? 🙂 Ich wünsche dir weiterhin eine gute Reise, tolle Erlebnisse und allzeit ein kühles Bier zur rechten Zeit!
    Viele Grüße aus dem beschaulichen Löchgau,
    Karin Pfersich

  2. Hey Jogibär,
    ein Abenteuer folgt das Nächste 🙂
    Beneide Dich um deine Erlebnisse und Deinen Mut!
    Weiterhin eine gute Reise und lass wieder von dir hören….
    Viele Grüße von allen Schwieberdingern 😉

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